(Wolsfeld) Wolsfelder Bergrennen: Vater Uwe und Sohn Georg Lang machen bei der 55. Auflage des "Großen Preises der Südeifel" den Gesamtsieg (fast) unter sich aus.

Wolsfeld An der Hierarchie wird (noch) nicht gerüttelt, dachte sich Uwe Lang. So verwies der mehrfache deutsche Bergmeister im Osella PA 20 Sohn Georg (Tatuus Renault FR 2000) am Pfingstmontag bei der 55. Auflage des Wolsfelder Bergrennens auf Rang drei. Dazwischen schob sich als Zweitplatzierter der Vorjahressieger Frank Debruyne (Dallara F 303)

Dreimal mussten die mehr als 170 Fahrer am Montag die 1,64 Kilometer kurze, höchst anspruchsvolle Strecke hinauf nach Wolsfelderberg bewältigen. Frenetisch gefeiert von zahlreichen Zuschauern auf den prall gefüllten Naturtribünen.Der spätere Gesamtsieger war als Schnellster der drei Trainingsläufe in die drei Wertungsläufe gegangen. "Auch wenn ich die beiden Tage ziemlich dominiert habe, so war es doch nicht einfach. Vor allem der letzte Lauf mit der tief stehenden Sonne ausgangs des Dorfes erforderte höchste Konzentration", resümierte Uwe Lang, nachdem er den Siegerkranz erhalten hatte.


Der Unterfranke gehört mit seinem offenen Osella-Formel-Fahrzeug genauso zum "Inventar" in der Südeifel wie der in diesem Jahr distanzierte Schweizer Bruno Ianniello. "Raketenbruno", dreimal Gesamtschnellster beim vom Eifelmotorsportclub (EMSC) Bitburg ausgerichteten Rennen, ist de facto eigentlich schon Wolsfelder Ehrenbürger.Sein weiß-blaues Ungetüm, ein selbst aufgebauter Lancia Delta S4, basiert technisch auf dem Reglement der Gruppe-B-Monster der 1980er Jahre aus der Rallye-WM. Dass der Bergrennsport eine ganz eigene und sehr diffizile Spezies des Motorsports ist, musste in diesem Jahr auch Niki Schelle erfahren. Der 50-jährige frühere Rallye-Werkspilot, Teilnehmer mehrerer WM-Läufe und mittlerweile Moderator einer Automagazin-Sendung eines privaten Fernsehsenders, zollte als Novize in Wolsfeld den Spezialisten am Berg ein Lob: "Das sind alles Leute mit unheimlich viel Gefühl für die Strecke, für die richtige Mischung aus Attacke, Rhythmus und dem Antizipieren des genauen Einlenkpunktes. Hier kann ich nicht einfach an den Start gehen und sagen: ,Hoppla, jetzt komm ich.’"Das Wolsfelder Bergrennen lockt neben den absoluten Könnern aus der nationalen und internationalen Szene (sechs Nationen waren an diesem Wochenende vertreten) auch viele Teilnehmer aus den regionalen Motorsportclubs an den Start. "Bergziegen" sind die Exoten des Motorsports, sie haben nicht so viele Wettbewerbe wie Rallyefahrer oder die Kollegen von der Rundstrecke. Daher ist für die Motorsportler aus der Region Eifel/Saar/Mosel Wolsfeld in jedem Jahr Herausforderung und Saison-Höhepunkt zugleich.Ähnlich wie in der VLN-Langstreckenmeisterschaft ist auch am Berg die Vielfalt der vertretenen Fahrzeuge hoch. Angefangen vom frisierten VW Polo oder Fiat 500 Abarth bis zu den Formel-Boliden ist alles vertreten. Was auf den ersten Blick nach viel Garagenkunst aussieht, ist einem strengen technischen Reglement unterworfen.


Christoph Schackmann, Präsident des EMSC Bitburg, sieht sich und seine große Schar von Helfern sowohl bei der Vorbereitung, der Veranstaltung als auch bei der darauffolgenden Rückführung des Kurses in eine normale Kreisstraße allmählich an der Kapazitätsgrenze: "Über 170 Teilnehmer, da ist irgendwo Schluss. Man kann denjenigen, die uns Jahr für Jahr unter die Arme greifen, nicht oft genug danken."
Dass augenscheinlich nicht nur Ausdauer-, sondern auch Motorsport einen fördernden Einfluss auf das körperliche Wohlbefinden haben kann, bestätigte der Luxemburger Rekord-Bergmeister Leon Linden, der mit einem Dallara F 304 Formel-Fahrzeug am Start war. Er wurde vor kurzem 79 Jahre alt. Mit seiner Zeit in diesem Jahr, meinte er, hätte er "noch ein wenig Luft nach oben".

Extra: ERGEBNISSE 55. INTERNATIONALES WOLSFELDER BERGRENNEN
1. Uwe Lang (Schweinfurt, Osella PA 20, S Evo), 3:09,03 Minuten; 2. Frank Debruyne, (Neuried, Dallara F 303), + 2,80 Sekunden; 3. Georg Lang (Schweinfurt, Tatuus Renault FR 2000) + 6,12 Sekunden. Ergebnisse und Stimmen der heimischen Teilnehmer aus den Klassen lesen Sie in unserer Mittwochausgabe.
Quelle: Trierischer Volksfreund 6.6.2017