Ein ganzes Dorf im Benzinfieber und alle packen mit an: Zum Bergrennen an Pfingsten herrscht in Wolsfeld Ausnahmezustand.


Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt. Über 1700 Reifen müssen in den Tagen vor dem Rennen fachmännisch an den Leitplanken der Rennstrecke befestigt werden. TV-Foto: Jürgen C. Braun

(Wolsfeld) Ausnahmezustand in der Südeifel: Bei der 54. Auflage des Wolsfelder Bergrennens am Pfingst-Wochenende gibt sich wieder die internationale Elite dieser spektakulären Sportart ein Stelldichein. Für Wolsfeld und die umliegenden Gemeinden ist das Rennen aber auch ein gesellschaftliches Ereignis und ein Wirtschaftsfaktor.

 

 

 

Bergrennen – das bedeutet in Zahlen: 152 Fahrer aus sieben Nationen rasen über die 1,64 Kilometer lange Strecke, geschätzte 3000 bis 3500 Zuschauer kommen an zwei Tagen nach Wolsfeld, 1700 Reifen sind zur Sicherheit an der Strecke verteilt worden. Hinter den Kulissen machen sich 120 Helfer aus fünf örtlichen Vereinen für das Rennereignis stark. Denn bis am Sonntag wieder ab 9 Uhr die ersten Fahrer zu ihren Trainingsläufen am Wolsfelderberg starten können, gibt es jede Menge zu tun.
Ihre Namen stehen nur stellvertretend für die vielen fleißigen „Heinzelmännchen“, die vor dem PS-Spektakel in der Nimsgemeinde werkeln und wirken: Philipp Plein, die Hoffmann-Brüder Timo und Björn, deren Vater Alois sowie Heiko und Andrea Petzold, die schon seit Wochen und Monaten mit der Organisation und Vorbereitung in einem Wust von Formularen und Papieren zu Gange sind. Und seit dieser Woche verwandelt sich schließlich der ganze Ort in ein Motorsportlager bis zur Rennstrecke hinauf zum Wolsfelderberg. „Das geht hier alles Hand in Hand. Wenn man schon seit Jahren dabei ist, weiß man, worauf es ankommt“, sagt Philipp Plein.

Damit den Fahrern optimaler Schutz gewährt wird und damit auch die vielen Zuschauer an der Strecke hinter sicheren Barrieren Platz nehmen können, muss in der Woche vor Pfingsten an jedem Abend angepackt werden. Die Reifen, die während des restlichen Jahres in einem Lager am Nims-Ufer gelagert werden, müssen erst einmal mit schwerem Gerät herangekarrt und dann vorschriftsmäßig entlang der Strecke befestigt werden. „Unsere Helfer sind sehr gewissenhaft. Die Reifenstapel müssen richtig fest verzurrt und mit den Leitplanken verbunden werden, damit nichts passiert, wenn mal einer aus der Kurve fliegt“, sagt Christoph Schackmann. Er ist der Präsident des ausrichtenden Eifelmotorsportclubs (EMSC) Bitburg und wie viele andere Helfer in der Woche vor Pfingsten fast täglich in Wolsfeld vor Ort. 

Eine Strecke, die nichts verzeiht

Als der Bitburger Club vor 54 Jahren das erste Bergrennen in Wolsfeld ausgerichtet hat, konnte keiner ahnen, dass dies einmal über Jahrzehnte fester Bestandteil im Rennkalender der deutschen Fahrer-Elite sein würde. Mittlerweile ist Wolsfeld sogar nicht nur national, sondern auch international für viele Topfahrer ein Muss. „Eine solch schwierige und knifflige Strecke, die sehr klein ist, aber keinen einzigen Fehler verzeiht, findet man nirgendwo“, sagt beispielsweise der Schweizer Bruno Ianniello, seit vielen Jahren Stammgast im Fahrerlager in der Südeifel. Neben der sportlichen Herausforderung schätzt er auch das familiäre, herzliche Miteinander vor Ort – und das geht vielen Fahrern, die schon seit Jahren kommen, genauso. 
Kirchenchor, Freiwillige Feuerwehr, Sportverein, Musikverein, DRK-Ortsvereine und EMSC haben sich in einer Vereinsgemeinschaft zusammengeschlossen, die sich unter anderem um die Betreuung der Gäste und die Organisation der Stellplätze im Fahrerlager kümmert. Auch Parkplatz-Einweisung, Eintritt, Aufbau und Bewirtung im großen Festzelt für die „Sommernachtsparty“ am Sonntagabend gehören zu den Aufgaben.

Die Vereinsmitglieder sorgen auch dafür, dass – gerade am Rande des Partytreibens – alles im Rahmen bleibt und die Anwohner nicht belästigt werden. „Wir haben schon seit Jahren keine Beschwerden mehr gehört. Extra installierte, so genannte Pinkelzäune und zusätzliche Lampen, die bestimmte Stellen ausleuchten, haben Abhilfe geschaffen“, sagt Schackmann, der froh ist, dass die Probleme, die es mal am Rande des Bergrennens gab, inzwischen vom Tisch sind. 
Ein Ereignis, das auch Geld bringt

Das ganze Dorf, sagt auch Rennleiter Günter Hoor, der in diesem Jahr sein Comeback auf der Strecke geben wird, stehe hinter dem Bergrennen. Viele Vereine, die in die Vorbereitungen und Nacharbeiten mit eingeschlossen sind, stemmen einen Großteil ihres Jahresbudgets mit dem, was sie durch das Rennen und den Besuch der vielen motorsportbegeisterten Zuschauer erwirtschaften. 
Schackmann sagt: „Im weiten Umkreis von Wolsfeld ist es an Pfingsten unmöglich, ein Zimmer zu bekommen. Und die Menschen müssen sich ja auch verpflegen. Das Bergrennen ist auch ein Wirtschaftsfaktor. Und zwar für die ganze Südeifel.“

Trainingsläufe beginnen am Sonntag, 15. Mai, 9 Uhr. Die Rennen sind an Pfingstmontag, 16. Mai, ebenfalls ab 9 Uhr. Die Sommernachtsparty im Festzelt beginnt am Sonntag um 20 Uhr.

Quelle: Trierischer Volksfreund 14.05.2016